Raus ans Meer

Ein langes Wochenende in La Paz. Dank meines generell-frei-Freitags und Allerheiligen am Sonntag. Hier gibt es die voll-super Regelung dass, wenn der Feiertag auf einem Sonntag liegt, der Montag danach frei ist, damit sich der Feiertag auch lohnt.
Ein bisschen spontan entschloss ich am Donnerstag, den kommenden Tag nach Chile ans Meer zu fahren. Von Freunden hörte ich, dass die Strecke zur nördlichsten Stadt Chiles, Arica, nur 6 Stunden dauern sollte. Am Freitagmorgen packte ich also voller Reisefreude 20141031-DSC06615meinen Rucksack und machte mich zum Terminal. Dort erfuhr ich nach Kauf meines Tickets dann, dass die Fahrt doch 10 Stunden dauere.
Die Zeit im Bus ging dann aber doch schnell um. Die Strecke ging zum Teil durch den Sajama-Nationalpark Boliviens, vorbei am Nevado Sajama, dem höchsten Berg Boliviens. Über den Nationalpark musste ich lustigerweise 2 Tage vorher ein Referat halten. Jetzt war ich froh, die Schönheit der schneebedeckten Vulkane, der Landschaft, Flora und Fauna ganz live (wenn auch nur aus dem Bus) zu erleben.
Wegen dem Grenzübergang und ner Stunde Zeitverschiebung kam ich erst um 1 Uhr morgens im Hostel „Sunny Days“ an und war dementsprechend froh, dass mir trotzdem noch die Tür geöffnet wurde und noch ein Bett für mich frei war. Das Hostel an sich, ein Traum !!!
20141101-DSC06619Am nächsten Morgen machte ich mich auf den Weg in den Grünen Norden Aricas, nach San Miguel de Azapa (Die Stadt ist von Wüste und riesigen Dünenbergen umgeben, doch fließt in einem Tal ein Fluss und lässt die Umgebungzu einer grünen Oase werden). Dort besuchte ich das Museo Arqueológico, wo unter anderen die Chinchorro-Mumien ausgestellt sind, die ältesten Mumien der Welt. Weiter machte ich mich auf den Weg zum Friedhof San Miguels. Wegen Allerheiligen war an diesem Tag ein riesen Fest auf dem Friedhof: Musikgruppen (bestehend aus Trommeln und Blechbläsern) zogen von Grab zu Grab und spielten ein paar Stücke, sich zwischendurch mit Bier erfrischend, während Familienangehörige an den Gräbern grillten, feierten und die Gräber mit Bier und anderen Spirituosen begossen. Doch schon ein leicht anderer Umgang mit den Verstorbenen.
Wer weiß, ob es an diesem speziellen Tag und Ort lag, doch um der am Himmel knallenden Sonne zeigte sich für einige Minuten ein kreisrunder Regenbogen. 20141101-DSC06627
Dann wollte ich endlich das Meer sehen. Am Strand entlangspazierend entdeckte ich ein paar Taucher im Wasser, die sich Zeichen gaben und irgendwas zu suchen schienen. Zeitgleich tauchten ab und zu „Wesen“ im Wasser auf, die ich nicht genau zuordnen konnte. Sehr seltsam. Nach einiger Zeit des Beobachtens schienen die Taucher Erfolg bei der Suche gehabt zu haben und schleppten etwas Großes zum Strand. Ich schaute mir das Spektakel aus der Nähe an und erkannte endlich, um was es sich bei den „Wesen“ handelte: Riesige Wasserschildkröten. Wie es sich herausstellte, handelte es sich bei den Tauchern um Forscher der Universität Iquique in Chile, die die Tiere fangen, vermessen, markieren und wieder freilassen. Der deutschstämmige Forschungsleiter erklärte mir einiges über das Programm, und wer weiß, vielleicht helfe ich nun bei meinem nächsten Chile-Trip im Wasserschildkrötenprojekt mit . 20141101-DSC06637
Meine nächste Etappe war dann der Fischereihafen, an dem sich die dicksten Seelöwen überhaupt tümmelten und auf den Felsen sonnten. Sehr fotogene Tiere. Sonst war allerdings nicht viel Leben zu sehen, es war schon zu spät für die Fischereimärkte.
Von einem Aussichtspunkt weit über der Stadt hatte man dann eine schöne Sicht auf Arica, das Meer, die umliegenden Strände und die Hafenanlage mit vielen „Hamburg Süd“-Containern. Aaach Hamburg . Abends machte ich dann die Bekanntschaft mit 2 deutschen Südamerika-Reisenden, mit denen ich am nächsten Tag umherzog. Zuerst wieder auf den Fischereihafen, wo nun, morgens, mehr Betrieb war. Dort trafen wir auf zwei sehr fotogeneOLYMPUS DIGITAL CAMERA (da betrunken :D) Seebären, eine lustige Überraschung. Die kleine Hafenrundfahrt war dann nicht so spannend. Nach einem Besuch einer Feria (Art Ramschmarkt) die ebenso wenig spannend war, machten wir uns zurück zum Hostel, wo uns schon ein Surflehrer erwartete. Und wie es sich für einen (Kurz-) Urlaub am Meer gehört, bekamen wir einen Surfkurs. Und während um uns herum die Meeresschildkröten ihre Köpfe aus dem Wasser hoben, warteten wir auf passende Wellen. Zum Ende hin und im Sonnenuntergang konnten wir dann unsere ersten Wellen ganz alleine reiten und bezwingen.
Abends fiel ich dann relativ schnell ins Bett und musste am nächsten morgen früh raus, um meinen Bus nach La Paz zu bekommen. Damit ging ein sehr erlebnisreiches Wochenende in Chile vorbei, doch die nächsten lassen bestimmt nicht lang auf sich warten :)

Choro Choro!

Wanderzeit. Berge. Mal wieder. Aber nicht nur!

Letztes Wochenende stand eine kleine Wanderung an, der Choro Trail. Freitagsmorgens starteten wir, beladen mit Zelten, Schlafsaecken und viel (zu viel) Brot und Essen. Ein Collectivo brachte uns von La Paz auf den Cumbre. Nach einen DSC06441Aufstieg auf 4900 Hoehenmetern waren wir erstmal platt, die ersten Schritte (in dem Fall ueber 1 Stunde lang Schritte den Berg hoch) sind halt immer die schwersten. Oben angekommen umgaben uns die Wolken und liessen keine weite Sicht zu. Nach einer kleinen Pause dann der Abstieg auf dem alten Inkaweg. Hinab, hinab, hinab, durch Wolken, neben Alpakaherden durch eine sehr karge Vegetation. Doch mit der Zeit wurde es immer gruener, waermer, aber nicht wolkenloser. Nach vielen Stunden Wanderung fanden wir einen schoenen Ort am Wegesrand und beschlossen, dort schon unser Camp aufzuschlagen. Nach dem Essen, Marshmallows ueber dem Lagerfeuer (bis der Regen kam) und Gruselgeschichten im Zelt schliefen wir (mehr oder weniger gut) und schauten uns am naechsten Morgen den Sonnenuntergang an.
Der naechste Tag war hart. Erst mussten wir das Stueck aufholen, was uns am Vortag noch fehlte, dann fehlte immer noch eine Menge. 8 Stunden wanderten wir an diesem Tag, Berge hoch, Berge runter, ueber Haengebruecken und durch mitlerweile schon gruenen Dschungel.  Dementsprechen schnell waren wir dann auch im “Bett“, nachdem wir das Zelt auf einem kleinen Fussballplatz einer Familie errichteten. Die Nacht war dann aber auch (mehr oder weniger) besser, total k.O. wie wir waren.
DSC06594Der dritte Tag der Wanderung ging weiter bergauf und ab, wobei mehr ab als auf. So erreichten wir am fruehen Nachmittag das Ende der Wanderung in Chairo, auf ca 1500 Hoehenmetern. Dort goennten wir uns ein schoenes Bad im Fluss, bevor wir ein Mini nach Coroico schnappten, von wo uns ein Kleinbus zurueck nach La Paz brachte.
Eine wirklich ueberragende Wanderung, durch die verschiedensten Klimazonen innerhalb kuerzester Zeit. Was blieb waren schmerzende Beine (wechselnd wegen Mueckenstichen und Muskelschmerzen) und zu viel Brot. Aber das ist dann auch mitlerweile alles vergangen.

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Sonne über La Paz

Im Blick unserer Universitaet steht ein grosser Berg. Eines Tages hatten David und ich eine verrueckte Idee Berge sind zum hochklettern!
Am naechsten Tag brachen wir zusammen mit Hans auf, um 4:30 20141017-DSC06399morgens, um auch den Sonnenaufgang mitzuerleben. Wir erklaerten dem Taxifahrer unseren ungefaehren Plan, 20 Minuten Fahrt spaeter merkten wir dann, dass er diesen nicht im Ansatz verstanden hatte. Er brachte uns zu einer komplett falschen Stelle. Erst nach weiteren 20 Minuten und vielen “dahin“ kamen wir halbwegs nah an den Berg herran und konnten unsere Route durch die Nacht starten, immer Richtung Berg. Aggressive Hunde waren zum Glueck alle auf “Aushol und Werfbewegungen“ konditioniert und kamen nicht naeher herran. Oben auf dem Berg angekommen, fanden wir die beste Aussichtsplattform und wurden zeitlich perfekt mit einem Sonnenaufgang belohnt.

Bezwingung eines Riesen

Ein paar Bilder meines neuen Hoehenrekords, ueber 5000m ! :D
Die Besteigung des Chiqualtaya (5395m) war jedoch ein bisschen geschummelt, ging es doch mit einem Bulli schon ziemlich weit den Berg hoch!
Die Aussicht oben war jedoch ein Traum, La Paz, Titicacasee, Wayna Potosi (nen 6000 der schon auf mich wartet ;) )

Klassenfahrt, Klassenfahrt!!

Noch der schnelle Versuch, vor meiner Wochenendreise nach Chile ein paar Blogartikel abzuarbeiten!

Vor einiger Zeit (eigentlich schon einigen Wochen, um genau zu sein…) ging es auf Klassenfahrt!
An der HAW-Hamburg leider nicht so oft gemacht, wird an der Uni hier in La Paz gerne mal verreist.
Mit dem Kurs “Patrimonia Cultural de Bolivia” also der Kultur-Lehrveranstaltung, fuhren wir fuer ein paar Tage nach Chiquitaniha, in der Naehe von Santa Cruz. 20140926-DSC06203
Endlich kamen wir nach einer 17 Stunden Busfahrt mal wieder im Warmen an.

Morgens in Santa Cruz angekommnen, hatten wir ein paar Stunden Aufenthalt und Zeit, die Stadt zu erkunden. Diese nutzten wir gut zum Fusballspielen mit dem neu gekauften Fussball in den Gaengen einer Riesenmall (mit dem einzigen Starbucks in Bolivien (munkelt man, wir haben ihn aber nicht gefunden), bis wir freundlich rausgebeten wurden. Auch auf dem Rasen vor der Mall sollte wohl gerade geschont werden…Wir gingen in einem traditionellen Restaurant essen, bevor es abends wieder in den Bus ging, nach Chiquitania, wo es in verschiedenen Doerfern Kirchen aus der Kolonialzeit (bin mir 20140926-DSC06237dabei aber nicht mehr ganz sicher) zu sehen gab. Spannender waren nicht die passenden Museen dazu, sonder eher der Ausflug in eine Sich-selbst-versorgende Community, wo wir die Moeglichkeit hatten, Kuehe zusammenzutreiben, auf einem Pferd zu reiten, bei einigen Herstellungsprozessen zuzusehen und der heimische Dorfjugend zu zeigen, wie man richtig Fussball spielt ;) Natuerlich war auch die Zeit mit der Klasse ziemlich cool, man lernt sich waehrend so einer Fahrt doch schon ein bisschen besser kennen, als nur waehrend der Vorlesungen.
Ich freu mich schon auf die naechste Klassenfahrt, diese startet am Dienstag, Richtung Nationalpark Toro Toro!

Ein Königreich für ein Krokodil

Nach 8 Wochen fast durchgehend auf 3500+ Meter, gab es vor 3 Wochen eine kleine Hoehenumstellung. Zusammen mit meiner Mutter, die gerade in Bolivien unterwegs war, fuhr ich in den Dschungel nach Rurrenabaque, auf 200 Metern liegend.
Dank meiner Mutter war die Wahl zwischen Anreise mit dem Bus (18 Stunden fahrt) oder Flugzeug (40 Minuten Flugzeit) einfach. Der Flieger war dafuer sehr kuschelig klein (sehr zum Vergnuegen meiner Mutter =D ).

Unser Fliegerchen
Unser Fliegerchen

Im “Flughafen” von Rurrenabaque angekommen merkten wir, dass nicht nur die Hoehe sich geaendert hat, sondern natuerlich auch das Klima. Aus dem kalten, trockenen, hohen La Paz kamen wir in die Dschungelhitze. Den ersten Tag in Rure musste ich dann leider mit Fieber im Bett verbringen, am Vortag hatte ich mir wohl irgendwas eingefangen. Aber in einem 5-Sterne Hotel zu deutschen “Unter-Jugendherbergs-Preisen” erhohlt es sich nunmal ganz gut, am naechsten Tag war ich wieder fit. Um am besten die Natur kennen zu lernen,  buchten wir in der Stadt bei einem der vielen Tourenanbieter eine 3-Tages-Tour in die Pampa!
Am folgenden Tag ging diese los. Fuer 5 Studen ging es in einem Auto ueber eine schoene Hobbelstrasse. Mit dabei waren 2 Belgier und unser Guide. Die Fahrt fuehrte uns in einen Nationalpark, nach weiteren 20 Minuten im Boot einen Fluss hoch kamen wir in unserer Ecolodge an. Diese war der Ausgangspunkt der “Expeditionen” der naechsten Tage. 20140921-DSC06156-2Zusammen mit unserem Guide fuhren wir viel auf dem Fluss entlang und konnten so die enorme Tierwelt entdecken. Noch nie habe ich so viel verschiedenes Leben gesehen: Alle paar Meter erwarteten uns Alligatoren oder Kaimane oder Wasserschildkroeten, die meist schnellstmoeglich im Wasser verschwanden, die verschiedensten Vogelarten, von Adlern über Reiher bis zu Eisvoegelarten, Affen in den Waeldern, die groessten Nagetiere der Welt „Kapybaras“ und sogar Flussdelfine. Bei den Fußtouren durch die Pampa gab es in Baumstaemmen versteckte Boa Constrictore und Varane zu bestaunen, sowie gaaanz viele Affen in den Baeumen. Die Anacondas haben sich leider zu gut vor uns versteckt…

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Tiwanaku – „Setz Dich nieder, kleines Lama“

Eine kleine Reise in die Vergangenheit der Vor-Inka-Kultur machten Hans und ich vor mittlerweile einigen Wochen. Nachdem wir in unserer Vorlesung “Patrimonio Cultural de Bolivia” schon einiges ueber Tiwanaku (Uebersetzung im Titel! ) gelernt haben, machten wir uns von La Paz aus auf die Reise, um uns das ganze mal mit den eigenen Augen anzugucken.
Angekommen erstmal ein  kleiner Schock! Der Eintritt fuer “Nationale Studenten” betrug 3 Bolivianos, Auslaender zahlen 80!! Der Kartenverkaeufer hat uns dann trotz Studentenausweise der Bolivianischen Universitaet nicht die 3-Bolis-Tickets verkaufen wollen! Ladrones!
Die Steine waren dann… ziemlich steinig.